Schnäppchen oder Markenware
Oder: Worin unterscheiden sich eigentlich "billige" und "gute" Armaturen??
Armaturen, z. B. für den Waschtisch, bekommt man manchmal schon als Schnäppchen für 20 Euro angeboten. Wenn die Verpackung besonders hübsch bunt ist, für 30 Euro.
Aber worin unterscheidet sich so ein 30 Euro-Angebot von einer "guten" Waschtischarmatur, die leicht das doppelte bis dreifache kostet?
Das lässt sich gar nicht so schnell erklären, denn die Unterschiede liegen in Details, die der Kunde mit bloßem Auge oder anhand der Produktbeschreibung nicht erkennen kann.
Zunächst einmal wäre da natürlich das Material, aus dem die Armaturen gefertigt werden; in der Regel Messing. Messing besteht in erster Linie aus Kupfer und Zink. Um es besser verarbeiten zu können, werden oft noch Blei, Nickel und andere Metalle beigemischt. Will man als Hersteller diese Beimischungen - insbesondere von Blei - gering halten, wird die Bearbeitung des Armaturenkörpers schwieriger und damit teurer - insbesondere bei Fernostprodukten geht man hier gerne den leichteren Weg. Natürlich muss man keine Angst haben, dass diese Armaturen so viel Blei an das Trinkwasser abgeben, dass die zulässigen Grenzwerte überschritten werden. Aber je weniger Blei im Metall verarbeitet wurde, desto besser für den Verbraucher - schließlich hat man eine Armatur meist viele Jahre im Einsatz.
Der nächste Punkt ist die Mechanik. Die Ventile der Armaturen sollen leichtgängig und präzise in der Regelung sein, dabei aber auch langlebig und zuverlässig. Moderne Armaturen verwenden Oberteile und Kartuschen, deren "Herz" aus einer extrem harten und glatten Keramikscheibe besteht. Je härter und glatter die Fertigung ist, desto eher erfüllt sie den gestellten Anspruch - aber um so teurer wird sie auch. Spart der Hersteller, wird die Keramik anfällig gegen Schmutz und Verkalkung; das Ventil verschleißt und wird undicht. So ein Oberteil (bzw. eine Kartusche bei Einhandmischern) kann von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 7-10 Jahren, wie sie Markenarmaturen leicht erreichen, nur träumen.
Fast alle Armaturen präsentieren sich in glänzendem Chrom. Die Frage ist, wie lange der Glanz erhalten bleibt! Dicke und Härte sowie die galvanische Verarbeitung entscheiden darüber, wie beständig die Verchromung ist. Dabei geht es nicht nur um den reinen Glanz:
Winzige Unebenheiten - mit bloßem Auge nicht erkennbar - bieten die perfekte Angriffsfläche für Schmutz- und Kalkablagerungen. Die Reinigung der Armatur wird zunehmend schwieriger, weil das Putzen selbst der Verchromung zusätzlich schadet - vor allem, wenn man versucht, bereits vorhandene Kalkablagerungen zu entfernen. Wurde bei der Galvanisierung gespart, kann sich der Chrom schon nach wenigen Jahren ablösen; die Armatur ist dann ein Fall für das Altmetall.
Ein Punkt, der beim Kauf gerne übersehen wird, ist die Ersatzteilversorgung. Gute Armaturenhersteller garantieren die Verfügbarkeit wichtiger Teile wie z. B. von Ventilen über viele Jahre. Der Versuch, bei einer 30-Euro-Armatur nach 5 Jahren ein neues Ventil zu bekommen, wird mit ziemlicher Sicherheit scheitern - oder das Ersatzteil ist so teuer, dass man dafür auch eine neue Armatur bekommt. Wer schon einmal einen Ersatzakku für einen preiswerten Akkuschrauber kaufen wollte, kennt das Problem. Bei einer Markenarmatur sind die Ersatzteile zwar auch nicht gerade "billig", gemessen am Wert der Armatur lohnt sich eine Reparatur aber auf jeden Fall.
Als Fazit gilt wie so oft: Wer billig kauft, kauft meistens teuer. Schlechte Verarbeitungsqualität (die der Verbraucher unmöglich beurteilen kann) und mangelnde Ersatzteilversorgung führen dazu, dass Schnäppchen häufig nur den Bruchteil des Dienstalters einer hochwertigen Markenarmatur erreichen. Wen das nicht stört, kann beim 30 Euro Angebot zuschlagen; wer es aber etwas langlebiger möchte, sollte auch etwas mehr investieren. Letztlich macht sich Qualität eben bezahlt!
23. Februar 2011